Manche betätigen sich als Knochenbrecher

Es gibt auch einige Geierarten, die kleinere Wirbeltiere erbeuten.

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Es sind dies vor allem Mönchs-, Ohren- und Wollkopfgeier (Trigonoceps occipitalis). Sie schlagen Tiere bis etwa zur Kaninchengröße, ohne dabei auf größere Tierkadaver verzichten zu können. Der Bartgeier (Gypaetus barbatus) erbeutet ebenfalls lebende Tiere, die er häufig durch Sturzflüge in Abgründe treibt. Seine Hauptnahrung besteht jedoch aus Knochen, besonders Röhrenknochen. Diese werden in großen Stücken verschlungen. Sind sie zu groß, so trägt er sie in die Höhe und läßt sie dann im Sturzflug auf Felsen fallen, bis sie zerspringen. Mit Schildkröten verfährt er genauso, um den harten Panzer zu zerbrechen. In Spanien heißt er wegen dieser Eigenschaft "Quebrantahuesos", Knochenbrecher.

Ein Nahrungsspezialist unter den Geiern ist der kleine Palmgeier (Gypohierax angolensis), den man früher als "Geierseeadler" bezeichnete. Man war sich lange nicht klar, ob man ihn zu den Geiern oder zu den Adlern rechnen soll. jedenfalls nimmt er eine Sonderstellung ein. Seine Hauptnahrung besteht nämlich aus den Früchten der Ölpalme, und er kommt nur dort vor, wo er Ölpalmen findet. Daneben frißt er tote Fische und andere kleine Tierkadaver wie auch verschiedene wirbellose Tiere, die er erbeutet. Sein Vorkommen ist auf Afrika beschränkt. Ober seine Biologie weiß man noch recht wenig.

Die Fortpflanzungszeit der meisten Geierarten beginnt in den Wintermonaten. Man sieht dann ihre prachtvollen Balzflüge in der Nähe der künftigen Brutplätze, wobei die "Paarbindungsflüge" von Gänsegeiern und verwandten Arten besonders auffallend sind. Dabei fliegen zwei Vögel dicht übereinander und führen alle Wendungen gemeinsam aus, so daß man den Eindruck hat, als seien beide unsichtbar miteinander verbunden. Die felsbrütenden Arten nisten in Höhlen wie auch auf Simsen hoher Wände und bauen meist kein großes Nest. Die Baumbrüter dagegen errichten oft riesige Reisigburgen auf alten Bäumen. So können beispielsweise in einem Mönchsgeierhorst zwei Menschen bequem nebeneinander sitzen.

Wenn auch einige Arten zwei oder sogar drei Eier legen, so wird in der Regel nur ein Junges groß. Die Gänsegeierverwandten, Mönchs-, Ohren-, Wollkopf- und Lappengeier, legen nur ein einziges Ei, das im Durchschnitt etwa 50 Tage (bei kleineren Arten kürzer) bebrütet wird. Die Jungen der großen Arten bleiben etwa vier Monate im Horst. Dort werden sie von den Eltern mit ausgewürgtem, etwas vorverdautem Fleisch gefüttert und bei großer Hitze getränkt, wobei die Altvögel eine klare Flüssigkeit (überwiegend Wasser) aus dem Schnabel austreten lassen, die von den jungen aufgenommen wird. Kleine Junge werden durch die ausgebreiteten Flügel der Eltern vor starker Sonnenbestrahlung geschützt.

Die meisten Geierarten werden mit fünf bis sechs Jahren geschlechtsreif. Sehr häufig sind sie dann noch nicht voll ausgefärbt; Gänsegeier haben dann beispielsweise

meist noch bräunliche Halskrausen, die bei Altvögeln schneeweiß sind. Die durchschnittliche Lebenserwartung größerer Geierarten beträgt etwa 40 Jahre. Sie sind also recht langlebige Vögel. Wenn man jedoch bedenkt, daß sie maximal ein junges pro Jahr aufziehen, Mönchsgeier vielfach sogar nur alle zwei Jahre ein junges, so kann man sich vorstellen, daß eine Geierpopulation nur langsam wachsen kann. Auch muß man dabei die natürliche Sterblichkeit der Jungvögel berücksichtigen.

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