Nachts gehen sie auf die Weide

Radiolarie
Radiolarie

Durchsichtigkeit bringt ein Problem: Die schädlichen ultravioletten Strahlen können in den Körper eindringen und ihn zerstören. Sie werden allerdings durch das Wasser schnell geschwächt. Deshalb ziehen sich die Plankter tagsüber oft in tiefere Wasserschichten zurück, wo das Licht dämmrig und harmlos ist.

Oben in den lichtdurchfluteten Schichten gedeihen aber die treibenden Algen, die Nahrung aller tierischen Plankter. Darum steigen die größeren Plankter nachts zur Oberfläche empor und gehen hier auf die Weide. Wenn die Sonne aufgeht, lassen sie sich wieder in die Tiefe sinken. Vielleicht fliehen sie auch nur vor Freßfeinden aus den schwebenden Gärten der Oberfläche in das verbergende Dämmerlicht der Tiefe. Für diese Wanderungen - und um überhaupt oben und unten zu erkennen - sind die meisten Plankter mit einem (meist roten) Augenfleck ausgerüstet.

Kiemenfuss Chirocephalus
Kiemenfuss Chirocephalus - ein Krebstierchen

Im Herbst kühlt sich das Wasser an der Oberfläche rascher ab als in der Tiefe. Es wird durch die Kälte schwerer, sinkt dann in tiefere Zonen und reißt die schwebenden Algen mit sich hinab. Dort unten gibt es weniger Licht; darum erlischt in den kälteren Meeren im Herbst das Algenwachstum. Auch in den Süßwasserseen kommt es zur Umschichtung der Wassermassen und einem starken Rückgang der Algenflora. So ist für die tierischen Plankter der Winter eine arme Zeit, deshalb haben sie Dauerformen entwickelt, die den Winter in Ruhe überdauern. Im Frühling vermehren sie sich dann rasch, so daß sich das im Winter klar gewordene Wasser wieder trübt.

In nährstoffarmen Gewässern haben es die Plankter nicht leicht - so sagten wir vorhin. Die Algenflora des Planktons ist, grob gesehen, von der Düngung abhängig wie der Acker. Aber zuviel ist schädlich. Anders als auf dem Festland kann man durch massive Düngung keine Riesenproduktion ankurbeln. Denn im Wasser steht ja nur ein begrenztes Angebot von Sauerstoff zur Verfügung.

Das ist das Problem in vielen unserer Seen, in den Flüssen und küstennahen Meeren, die durch Abwässer allzusehr belastet werden. Diese Abwässer sind in vielen Fällen der ideale Algendünger. Die Algen vermehren sich drum zunächst explosionsartig. Dabei zehren sie den Sauerstoff im Wasser sehr schnell auf. Die Folge ist, daß die ersten schon wieder absterben. Bei ihrer Zersetzung durch Mikroorganismen wird noch mehr Sauerstoff verbraucht. So kommt eine Lawine ins Rollen, die dazu führt, daß in diesen Gewässern bald überhaupt kein Sauerstoff mehr vorhanden ist und alle Tiere und Pflanzen dort ersticken.

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