Das Blut müßte gefrieren

Das zweite Problem wird durch die unterkühlte Lebensweise der Eisfische aufgeworfen.

Eisfisch

Lange Jahren versuchten die Forscher herauszufinden, wie es die antarktischen Fische anstellen, in eisigem Wasser zu leben. Normalerweise müßte ihr Blut - oder bei Eisfischen: ihre farblose Flüssigkeit - bei minus 0,4 bis 0,9 Grad zu Kristallen erstarren. Das geschieht aber nicht. Die Fische graben sich in dem eisigen Matsch auf dem Meeresgrund ein und sind sogar bei minus 3 Grad noch recht lebendig.

Dass das antarktische Meer selbst bei solchen Temperaturen nicht zu einem monumentalen Eisblock friert, hat seinen Grund in dem hohen Salzgehalt.

Man weiß das vom winterlichen Straßendienst: Salz setzt den Gefrierpunkt des Wassers herab. Die Fische jedoch haben bei weitem nicht so viel Salz im Blut oder in der Blutflüssigkeit, dass dadurch das Gefrieren aufgehalten werden könnte.

Was ist es dann? Welches Gefrierschutzmittel haben sie in den Adern? Die Antwort auf diese Frage ist nicht nur von akademischem Interesse. Die Überlebensforschung interessiert sich dafür: Kann man diese chemischen Stoffe vielleicht isolieren und damit Menschen unter extremen Bedingungen - beispielsweise in der Kälte des Weltraums - größere Überlebenschancen geben?

Man fand heraus, dass der Frostschutz der antarktischen Fische aus sogenannten Glycoproteinen besteht - aus einer Verbindung von Eiweißstoffen und Kohlehydraten. Acht verschiedene solcher Glycoproteine wurden in den antarktischen Fischen bereits nachgewiesen. Diese sogenannten "Anti-Freeze-Glycoproteine" beeinflussen die Wassermoleküle in Ihrer Umgebung und verhindern die Kristallbildung. Das funktioniert bei tiefen Temperaturen sogar besser als bei Zimmertemperatur.