Ans Wasser gebaut

Wenn das Wort "Klugheit" auf Tiere angewendet werden kann, so zweifellos auf die Biber. Sie fällen Bäume, bauen Dämme und errichten Wohnungen, die nur durch einen Unterwasser-Eingang zu erreichen sind.

Intelligenz? Instinkt? Erlerntes? Das wollen wir untersuchen.

Biber
Biber

"Die Biber sind klüger als wir!" sagt Ulric, Wildhüter im kanadischen Algonquin-Park. Er hat indianisches Blut. Noch seine Großeltern sahen in den Bibern heilige Tiere und nannten sie respektvoll die "Kleinen Waldmenschen".

Sind sie wirklich klüger als wir? Kaum. Sind sie überhaupt klug? Ich bin fast überzeugt - schon seitdem ich mit neun Jahren Ernest Thompson Seton gelesen hatte: "Wilde Tiere zu Hause". Die Reihe der Schriftsteller, die einen als Kind ebenso begeistern wie in reifen Jahren, ist nicht gerade endlos. Seton gehört dazu, jedenfalls für mich. Sein Buch über die Abenteuer im amerikanischen Yellowstone Park, das um die Jahrhundertwende entstand, ist eines der besten Tierbücher, die es gibt.

Außerdem machte es mich mit den Bibern bekannt.

"In seiner Art ist der Biber das bemerkenswerteste Tier des Westlands", schrieb Seton. Und dann schilderte er, was dieser Teufelskerl als Ingenieur, Architekt, Holzfachmann und Wasserbauspezialist alles zuwege bringt. Als Neunjähriger fand ich das sehr aufregend, aber es dauerte dreißig Jahre, bis ich Setons Schilderungen nach prüfen konnte und entdeckte: Er hat nicht übertrieben.

Erste freundschaftliche Kontakte knüpfte ich im schon erwähnten Algonquin-Park in Ontario. Sie ließen sich viel einfacher an, als ich dachte. Man reist da mit einen dieser heute so preiswerten Flüge hinüber, mietet sich ein Motorhome und fährt in die Wildnis. Dort stellt man das Fahrzeug an einem der hunderttausend Seen ab, geht spazieren und wartet ab, was man trifft: Elche, Wölfe, Bären - oder Biber. Bei Bibern ist's am einfachsten. Man läßt sich von den Wildhütern die richtigen Stellen in die Karte zeichnen und wandert hin. Im Algonquin-Park braucht man nur aus dem Auto zu steigen, um gleich neben der Straße bei einer Biberfamilie seine Aufwartung zu machen. Man sieht ihre Teiche, ihre Dämme und ihre Wohnburgen. Ob man die Tiere sieht, ist nicht sicher; normalerweise werden sie erst bei Nacht lebendig. Doch in den Schutzgebieten kann man sie oft auch am Tage erblicken.