Ein zappelnder Fisch löst den Angriff aus

Bei den Haien kann man noch heute sehen, wie unsere Zähne entwicklungsgeschichtlich entstanden.

Hai

Der Körper des Hais ist mit dreieckigen Placoidschuppen bedeckt, die sich am Maulrand anders entwickeln und so die Funktion von Beißwerkzeugen übernehmen. Noch heute kann man bei der Embryonalentwicklung der höheren Wirbeltiere - auch des Menschen - einwandfrei nachweisen, daß die Zähne sich ihrem Aufbau nach aus solchen Schuppenanlagen entwickeln. Bei den an Land gehenden Lurchen wurden Körperschuppen rückgebildet. Jene, die sich in Zähne verwandelten, erhielten sich dagegen und wurden weiterentwickelt.

Da Haie nicht über eine Schwimmblase verfügen, müssen sie ständig schwimmen, um nicht abzusinken. Ihre Gestalt ist perfekt stromlinienförmig - sie gehören zu den elegantesten Tieren des Meeres. Fast ohne Bewegung gleiten sie widerstandslos durchs Wasser. Will man in tropischen Meeren Haie zu Gesicht bekommen, dann wählt man am besten Rifföffnungen, die an der Außenseite steil gegen das offene Meer hin abfallen. Da hier bei Flut und Ebbe das Wasser in die Lagunen gelangt und wieder herausströmt, gibt es reichlich Nahrung - hier haben Haie ihre Jagdreviere. Wirft man frühmorgens oder am späteren Nachmittag vom Boot aus dort einen Anker ins Meer und folgt diesem mit schußbereiter Kamera, dann hat man Aussicht, neugierig heranschießende Haie filmen zu können. Haie sind wie eine Polizei im Meer. Sie nehmen Geräusche als Erschütterungen des Wassers über weite Entfernungen wahr und eilen herbei, um nachzusehen, was los ist. Man muß dann freilich schnell sein. Denn meist ziehen sie bloß einige Kreise und sind schon wieder verschwunden. Weder der Anker noch der Taucher interessieren sie sonderlich.

Gefährlich ist es, in solchen Gegenden größere Fische zu harpunieren. Das Gezappel eines in Not befindlichen Fisches ist für Haie ein Schlüsselreiz, der bei ihnen Angriffsverhalten auslöst. Wir haben erlebt, daß Haie in solchem Fall mit über 50 Stundenkilometer Geschwindigkeit heransausten, um nach dem zappelnden Tier zu schnappen. Dabei kann natürlich auch der Taucher verletzt werden - obwohl der Angriff nicht ihm, sondern dem Fisch gilt. Auch Angler wissen, daß sie oft nur den Kopf erbeuteter Fische aus dem Wasser ziehen - den Rest hat ein schnell herbeischießender Hai weggeschnappt. Der amerikanische Forscher William Beebe beobachtete vom Boot aus durch einen Guckkasten das Verhalten eines Hais gegenüber einem Fisch, den er an der Leine gefangen hatte. Zog er an der Leine, so daß der Fisch sich wehrte und zappelte, kam der Hai sofort näher. Ließ er die Leine locker, so daß der Fisch normal schwamm, verlor der Hai das Interesse. Es ist für Haie gar nicht so einfach, voll lebensfähige Fische zu erbeuten. Fische zeigen erstaunlich wenig Angst, wenn ein Hai sich nähert - macht er eine schnelle Bewegung, dann flüchten sie blitzschnell.

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