Ein Häufchen Dreck, das lebt und frisst

Lilienhähnchen naschen von den Blättern oder Blüten der Pflanze, auf der sie leben. Man sieht es an den ausgefressenen Löchern. Viel größeren Appetit haben jedoch die Larven, die nicht selten in großer Zahl auf einer Lilie vorkommen und sie kahlfressen können. Die Blütezeit ist dann aber meist schon vorbei.

Larven von Lilienhähnchen
Hier sind offenbar nur einige Dreckhäufchen auf einem angefressenen Blatt zu sehen. Aber dieser erste Eindruck täuscht. Unterm Dreck verbergen sich die Larven von Lilienhähnchen. Sie häufen ihren eigenen Kot auf sich, um hungrigen Vögeln nicht allzu appetitlich zu erscheinen. Die Schäden am Blatt zeugen von ihrer Gefräßigkeit.

Insektenlarven haben viele Feinde, vor allem Vögel, die nach ihnen suchen. Unsere Lilienhähnchenlarven haben sich etwas ganz Besonderes, sehr Wirksames ausgedacht, um sich zu schützen. Es ist erstaunlich, welch absonderliche Wege im Laufe von stammesgeschichtlichen Entwicklungen eingeschlagen werden! Die Afteröffnung ist bei den Larven der Hähnchen nach oben auf den Rücken verlagert worden und zeigt nach vorn. Der abgegebene Kot wird darum nicht als Abfall nach hinten fortgestoßen, sondern als Tarnkleid auf den Rücken geschoben. Unter diesem Kothaufen ist die zarte, dünnhäutige Larve vor starker Sonneneinstrahlung geschützt, vor allem aber vor insektenfressenden Vögeln. Denn welcher von ihnen möchte schon gern statt einer nahrhaften Larve ein Häufchen Kot im Schnabel haben?

Die Larven wachsen schnell heran; dann verpuppen sie sich. Die Eltern sterben schon bald nach der Eiablage. Im September schlüpfen die Käfer der nächsten Generation. Sie verbringen den Winter in einem schützenden Versteck und kommen im April zum Vorschein, um nach Lilien zu suchen - möglichst nach einer Lilie, auf der schon ein Partner wartet.