Viel Fressen, aber wenig Schlaf

Es macht ihnen, sagten wir, Schwierigkeiten, den Kopf bis zum Boden zu neigen. Das rührt daher, daß ihr Hals, so lang er sich auch streckt, nicht besonders biegsam ist.

Giraffe
Trinkende Giraffe
Das Bild zeigt, welche Mühe Giraffen haben, wenn sie trinken wollen. Ihr Körperbau scheint darauf gar nicht eingerichtet zu sein. Meist spreizen sie die Vorderbeine, manchmal beugen sie sie auch ein wenig ungeschickt. Auf alle Fälle müssen sie sich ganz sicher fühlen, wenn sie trinken, weil sie aus dieser Position nicht schnell genug fliehen können, falls Gefahr droht.

Giraffen haben, wie alle Wirbeltiere, nur sieben Halswirbel. Die sind rund 40 cm lang und machen den Hals ungelenker, als man meinen sollte. Eine Giraffe, die trinken will, nimmt eine höchst ungewöhnliche, fast komische Stellung ein: Sie grätscht die Vorderbeine wie einer, der bei den Freiübungen - Knie durchgedrückt - mit den Fingerspitzen auf den Boden kommen will. So ähnlich ist ja auch das Bemühen der Giraffe, den Kopf dem Wasser nahe zu bringen.

Manche Zoologen sind der Ansicht, es sei im Bauplan der Natur überhaupt nicht vorgesehen gewesen, daß Giraffen trinken. Wenn diese Tiere in wasserarmen Gegenden leben, trinken sie nämlich so gut wie nie. Offenbar genügt ihnen die Flüssigkeit, die sie mit den frischen Blättern in sich aufnehmen. Es sind große Mengen, die Giraffen auf diese Weise in sich hineinschlingen. Sie fressen praktisch ständig, während sie Schlaf kaum nötig haben. Zwar ruhen sie mehrmals bei Tag und bei Nacht, aber die wirklichen Schlafphasen bemessen sich nach Minuten. Meist geht dieser Schlaf im Liegen vor sich, und die Giraffen nehmen dazu höchst abenteuerliche Stellungen ein, wobei sie das eine Hinterbein weit zur Seite strecken. Der Hals wird nach hinten gebogen, bis der Unterkiefer das abgespreizte Bein als Kissen findet.