Dickes Fell

Moschusochsen sind alles mögliche - Schafe vielleicht oder Ziegen -, aber Ochsen sind sie sicher nicht. Weder zoologisch noch im übertragenen Sinn.

Moschusochse
Weibchen mit ihrem Jungen am Dovrefjell, einer Gebirgslandschaft in Norwegen
Moschusochse

Mit sachter Fahrt glitt die "Nordstjern" durch die spiegelblanken Wasser des Kong Oscars Fjords landein. Vereinzelt trieben Eisschollen, letzte Nachzügler des langen arktischen Winters, seewärts. Der Kapitän war bester Laune; unser Expeditionsschiff bezwang den reichlich 200 Kilometer breiten Treibeisgürtel vor Ostgrönlands Küste diesmal ganz glatt. In diese grandiose Fjordwelt einzudringen ist selbst für einen erfahrenen Eismeerskipper stets ein Wagnis.

Nordwärts, an Steuerbord, dehnte sich weit eine sanftgewellte Ebene mit grünen Weideflächen. Die Arktis hatte Hochsommer. Dort wo ein Flüsschen, gespeist aus unerschöpflichen Quellen des mächtigen Gletschers, sein blaugrünes Wasser in den See entließ, ging der Anker klirrend auf den Grund. Sonst war es hier so still, als gäbe es am Ende der Welt gar kein Leben, als hätte der Polarwinter alles erstarren lassen.

Gemächlich schlenderten wir - Per, der norwegische Zoologe an Bord, als Kenner arktischer Tierwelt gerühmt, und ich - über die olivgrünen Matten aus Flechten, Gräsern und Moosblüten. Im Westen, wo die Sonne dem Pol und der um diese Zeit taghellen Mitternacht zustrebte, ragte Grönlands Randgebirgsmauer auf, himmelnah die gleißenden Kappen ihres ewigen Firns. Der Bach diente uns als Wegweiser. Auf weichem Moos ließ sich gut ausschreiten. Neben den Puschellichtern des Wollgrases waren bunte Blumenmuster eingewoben im grünen Teppich: weißer Polarmohn, gelbe, nadelgespickte Vierkantheide mit niedlichen weißen Glöckchen, Steinbrech, Anemone und Löwenzahn; goldengelb öffneten die arktischen Margeriten ihre Sterne.