Das Männchen - eine Preziose

Wenn man ihn findet, ist der engbegrenzte Fundplatz meist dicht bevölkert, aber scheinbar nur von den Männchen, die trotz ihrer geringen Größe zu den schönsten Kerbtieren Europas gerechnet werden können.

Ihre Oberseite leuchtet azurblau, die Unterseite schillert silbrig oder leicht golden. Die Weibchen dagegen tragen ein schlichtes Kleid: oben erdbraun, unten allerdings ähnlich glänzend wie ihre Männer: man bekommt sie nur kaum zu Gesicht.

An jenem Tag setzte sich meine Frau mit ihrer Filmkamera mitten zwischen 30 Männer - von Hoplia coerulea natürlich. Im Umkreis von etwa fünf Metern saßen sie an Grashalmen, an Schilf und auf Tamarisken - ein herrlicher Anblick, wie sie in der Sonne schillerten. Mehrfach hatten wir uns schon zwei Fragen gestellt, die aber bisher unbeantwortet geblieben waren. Erstens: Warum findet man so wenige Weibchen? Ein Kollege hatte mir vor Jahren schon gesagt: "Man kann froh sein, wenn man auf tausend Männchen mal zwei Weibchen fängt."

Und zweitens: Warum verharren die Männchen stundenlang nahezu bewegungslos in einer wahrhaft kuriosen Stellung an einem Ort? Mit Vorder- und Mittelbeinen klammern sie sich fest, stellen den Körper waagerecht von der Pflanze ab und strecken die außerordentlich starken, mit kräftigen Krallen versehenen Hinterbeine so weit nach rückwärts, wie es geht. Meine Frau hatte also ihren Anstand bezogen, während ich das Gelände der Umgebung absuchte.