Zoologisches Stichwort

Waldrapp

Der Waldrapp (Geronticus eremita) gehört zur Familie Ibisse (Threskiornithidae) in der Ordnung Schreitvögel (Ciconiiformes). Er ist etwa krähengroß mit langem, leicht abwärts gebogenem Schnabel und relativ langen Beinen. Sein Gefieder ist schwarz mit erzartigem Schimmer nach Grün und Purpur. Die nackten Hautteile an Kopf und Kehle sind rot, ebenso die Beine. Im Nacken haben Altvögel einen hängenden Federschopf.

Waldrapp

Der Waldrapp war noch im 16. Jahrhundert Brutvogel in Mitteleuropa. Er brütete damals kolonieweise an Felswänden im Raum Passau und Kelheim an der Donau sowie bei Graz und Salzburg. Im Laufe des 17. Jahrhunderts verschwand die Art aus Mitteleuropa. Am Verschwinden dürften Klimaveränderungen sowie Verfolgung durch Menschen schuld gewesen sein. Heute kommt er noch in nordafrikanischen und vorderasiatischen Gebirgen, ostwärts bis Mesopotamien, als Brutvogel vor. Sein Bestand ist als gefährdet anzusehen. Das gilt auch für eine nah verwandte Art, den Glattnackenrapp (Gerontieus calvus) in Südafrika.

Im Jahr 2009 wurden in Österreich wieder Waldrappe angesiedelt. Und im Sommer 2011 flog der erste Waldrapp wieder in Deutschland ein - geleitet von einem Ultraleichtflugzeug.

Der Name Waldrapp dürfte von "Waldrabe" stammen und auf das schwarze Gefieder des Vogels zurückzuführen sein.

Der Waldrapp brütet an Felswänden und altem Gemäuer, sofern Nischen oder Felsbänder vorhanden sind. Zur Nahrungssuche fliegt er auf Wiesen, in Sümpfe und Flußniederungen. Seine Nahrung besteht aus Insekten, Reptilien, Amphibien, Würmern und gelegentlich kleinen Mäusen.

Über die Fortpflanzung ist aus dem Freiland wenig bekannt. Dafür weiß man viel aus der Gefangenschaft; im Alpenzoo Innsbruck wurden mehrfach erfolgreich Waldrappen gezüchtet. Die Partner bleiben anscheinend lebenslang beisammen. Das Nest wird aus Pflanzenmaterial auf Felsbändern und in Nischen gebaut. Der Waldrapp ist Koloniebrüter. Die meist zwei bis vier bläulich- oder grünlichweißen Eier, die manchmal leicht gefleckt sind, werden von beiden Partnern abwechselnd bebrütet. Brutdauer nach Beobachtungen im Basler Zoo: 27 bis 28 Tage. Die Jungen bleiben 46 bis 51 Tage im Nest. Sie werden von beiden Eltern gefüttert, die die Nahrung hervorwürgen. In Gefangenschaft gehaltene Vögel brüteten erst mit drei Jahren. Vermutlich werden sie aber auch schon früher geschlechtsreif. Der Waldrapp brütet nur einmal im Jahr. Die meisten ziehen nach der Brutzeit weg, um erst im zeitigen Frühjahr wiederzukommen.

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